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Interview: "Heimarbeit - es funktioniert"

Verfechter von Heimarbeit: Kriminalhauptkommissar Ulrich Linden in seiner Kölner Dienststelle
Interview: "Heimarbeit - es funktioniert"
Der Zuständigkeitsbereich des Kölner Kriminalkommissariats 51 umfasst die Altstadt vom Rhein bis zum Eisenbahnring. Betrug, Gewalt und Eigentumsdelikte sind Schwerpunkte in dem von Einkaufsstraßen und Ausgehvierteln geprägten Gebiet. Ein Teil der Polizeiarbeit wird im Homeoffice verrichtet. Wie das funktioniert, erklärt Erster Kriminalhauptkommissar Ulrich Linden (56).
Streife-Redaktion

 

Herr Linden, ist Homeoffice-Arbeit bei der Polizei eine Notlösung für die Zeit der Pandemie?

Linden: Bei uns ist und war Heimarbeit auch ohne Pandemie ein großes Thema.

 

Wie groß ist der Umfang?

Linden: Für die Zeit ab dem 1. September haben neun der 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anträge auf Heimarbeit gestellt. Der Umfang ist ganz unterschiedlich. Maximal sind es 40 Prozent Heimarbeitsanteil, also rechnerisch zwei Arbeitstage pro Woche.

 

Haben Sie die Anträge genehmigt?

Linden: Ja. Seit ich die Dienststelle vor drei Jahren übernommen habe, haben wir den Anteil an Heimarbeit ausgebaut. Es funktioniert. Mit dem jetzt genehmigten Umfang erreichen wir aber die Grenzen. Natürlich erfordert unsere Arbeit auch ein hohes Maß an Präsenz. 100 Prozent Homeoffice ginge hier nicht.

 

Welche Vorteile hat diese Organisationsform?

Linden: Sie fördert vor allem die Arbeitszufriedenheit. Bei mir im Team haben wir viele jüngere Kolleginnen und Kollegen, die ihre Kinder betreuen müssen. Die Zeiten ändern sich, die Gesellschaft ändert sich. Damit müssen wir umgehen. Ich bin seit 36 Jahren bei der Polizei. Ich komme aus einer anderen Zeit und musste das erst selbst lernen.

 

Wie gelingt es Ihnen, das Team aus der Distanz zu führen?

Linden: Da keiner komplett von zu Hause arbeitet, sehe ich ja alle regelmäßig. Den direkten Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen pflege ich also außer bei Dienstbesprechungen auch bei zufälligen Aufeinandertreffen im Geschäftszimmer oder auf dem Flur der Dienststelle oder auch ganz gezielt in ihren Büros. Natürlich steht ihnen auch meine Tür (fast) immer offen.

 

Wie genau ist das organisiert?

Linden: Wir haben montags und freitags Frühbesprechungen eingeführt. Das sind verrückterweise die Tage, an denen die meisten Kolleginnen und Kollegen hier im Büro sind. Man könnte ja glauben, dass gerade die Tage vor und nach dem Wochenende besonders gern für Heimarbeit genutzt werden. Das ist aber nicht so.

 

Und außerdem?

Linden: Jeder bekommt als Ergänzung zum Lagebild jeden Morgen die Frühlage gemailt, damit alle auf dem neuesten Stand sind. Das ist ein Service fast im Sinne eines Newsletters im Hotel, wo die Gäste über das Wetter und die Aktivitäten informiert werden. Bei uns werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so kompakt über die Ereignisse des Vortages und der Nacht sowie über die anstehenden Aufgaben informiert. Hinzu kommt über den Tag natürlich ein intensiver Austausch per Mail und Telefon. Telefonkonferenzen sind für uns durch die Pandemie zur Normalität geworden. Das werden wir beibehalten.

 

Sie geben Ihren Leuten einen großen Vertrauensvorschuss.

Linden: Ja, dazu gehört eine Menge Vertrauen. Und das danken einem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem mit einem hohen Maß an Flexibilität. Wenn Not am Mann ist, sind alle da.

 

Und das Vertrauen wird nicht auch mal missbraucht, um sich zwischendurch ein Stündchen in die Sonne zu legen?

Linden: Die Kontrolle findet über Ergebnisse statt. Bei uns ist die Taktung sehr hoch, das Fließband muss laufen. Da kann man nicht in Ruhe die Gedanken kreisen lassen. Wer den Tag am Rheinufer verbringt, schafft das Pensum nicht. Auf der anderen Seite ist es ja gerade im Sinne dieser Regelungen, dass die Leute zwischendurch ihre Tochter oder ihren Sohn aus der Kita abholen.

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